Iquitos – Welcome to the jungle

Unglaublich. Ich bin also tatsächlich mitten im Dschungel angekommen. Direkt am Amazonas. In der größten Stadt der Welt, die nur per Luft oder Wasser erreichbar ist. Mir kommt das ganze unwirklich vor. Schließlich war für mich der Amazonas immer ganz weit weg. So unbekannt und mystisch. Zwischen dem Dschungelbuch und den Bildern im Erdkunde Unterricht. Und doch auf einmal so nah! Aber von Anfang an…

…meine Reise in Richtung Iquitos begann in Piura, dem nächsten Ort mit Flughafen in der Nähe Máncora’s.

Nachdem ich also ohne größere Probleme am Flughafen von Piura angekommen bin, gibt es die erste Information: mein Flug nach Lima (Zwischenstopp) ist verspätet. 40 Minuten heißt es. Na gut was soll’s, ich hab eh 5 Stunden Aufenthalt in Lima. Nach knapp einer Stunde gehe ich dann doch nochmal zum Schalter und Frage, was denn los sei. Daraufhin erfahre ich, dass die Airline gerade leider kein Flugzeug in Piura hat. Ja richtig gelesen, die Fluggesellschaft hat gerade kein Flugzeug an dem Flughafen, an dem vor 1 Stunde ein Flug dieser Airline nach Lima gehen sollte…okay, also kann man ja mal fragen wo das Flugzeug ist in wie lange es denn noch so dauern soll. 40 weiter Minuten heißt es und das Flugzeug sei in Cusco. Alles klar, doof bin ich auch nicht, wenn das Flugzeug in Cusco, 3 Stunden Flugzeit von uns entfernt ist, wie soll der Flug dann in 40 Minuten starten?! Naja kurz darauf kam dann die offizielle Durchsage: der Flug hat 6 Stunden Verspätung! 6 Stunden? Nach ein wenig rechnen stelle auch ich fest, dass mit dem Anschlussflug wird wohl nichts. Also wieder hin zum Schalter, ein bisschen gemeckert, und ich konnte meinen Flug umbuchen auf 24 Stunden später…was das bedeutet? Einen Tag in Lima festhängen 1/4 meiner Zeit in Iquitos einbüßen und knapp 70€ extra kosten für Hostel und Taxi in Lima. Da hätt ich auch direkt das mit der Billigairline lassen können. Hinterher ist man(n) immer schlauer. Als wär das ganze nicht schon genug gewesen hat im Endeffekt auch der Flug von Lima nach Iquitos 3,5 Stunden Verspätung. Entschädigung oder ähnliches? Hat man hier anscheinend noch nie was von gehört. Wie auch immer, ich komme also mit 27,5 Stunden Verspätung endlich in Iquitos an!

Im Flugzeug hab ich praktischerweise 2 Mädels kennengelernt, die ins gleiche Hostel wollten, so dass wir uns die immensen Taxi kosten von 10 Soles (2,5€) für eine 35 Minuten Fahrt durch 3 teilen konnten. Nachdem mich die Luft mit 35 Grad und über 80% Luftfeuchtigkeit erschlagen hat, habe ich das Upgrade des Hostel auf ein Zimmer mit Klimaanlage dankend angenommen . An schlafen wäre sonst nicht zu denken gewesen.

Am nächsten morgen ging es dann erstmal auf den Markt Belen in Iquitos, der größtenteils aus schwimmenden Häusern und Stegen besteht. Es ging zum Fisch Kauf, denn ich wurde vom Hostelbesitzer eingeladen zum kochen. Und gleichzeitig konnte ich das einkaufen zu einem Rundgang über den nicht ganz ungefährlichen Markt nutzen. Fotos machen ist hier leider zu gefährlich. Ein Jammer denn dieser Markt ist echt einzigartig und faszinierend. Hier gibt es einfach alles, Schildkrötenfleisch oder Kaimanbeine sind noch die normaleren Sachen. Fleisch und Fisch kühlen? Hier nicht! Alles liegt einfach auf provisorischen Holztischen. Nicht weiter schlimm, denn die Tiere wurde keine Stunde vorher gefangen und „geschlachtet“…sind also super frisch. Gewöhnungsbedürftig ist das trotzdem. Belen ist übrigens die einzige Sache die einen Besuch wert ist in Iquitos. Der Rest ist noch dreckiger und stinkiger. Zurück im Hostel geht es dann ans Ceviche zubereiten und essen.

Für die nächsten zwei Tage habe ich dann eine Dschungeltour gebucht, die von einer Lodge, knapp 2 Stunden den Amazonas hoch, ausging. Also endlich richtig Dschungel! Mit dem Schnellboot ging es also raus auf den Amazonas und dann Richtung Westen…an dem kleinen Nebenfluss „Rio Tapira“ lag die Lodge in der ich übernachten würde und welche den Ausgangspunkt unserer Touren darstellte. Ich war in einer netten 6 Gruppe unterwegs, ein Japaner, zwei Spanier und natürlich 2 Deutsche (die sind echt überall…). Was mich als erstes überraschte und total faszinierte war die Geräuschkulisse. Ich hätte nie erwartet, dass es dort so laut und wild und gleichzeitig so ruhig sein kann. Die Vögel und Affen sind noch 3 mal lauter als man es aus Film und Fernsehen kennt, ohne dass es annähernd stört, ganz im Gegenteil. Endlich kommt so richtiges Dschungel Gefühl auf. Und leider gehören dazu auch Unmengen an Mücken und anderen Insekten, die nur darauf warten, die neue internationale Touristen Küche zu probieren. Da hilft dann nicht mal das höchst krebserregende ,und in Deutschland wohl verbotene, chemische Mückenspray. Keine Chance. Man wird gnadenlos zerstochen! Man kennt aus Deutschland, dass man sich lange Klamotten anzieht zum Schutz…nur leider stechen diese Biester hier auch einfach durch lange Hosen und Shirts durch. Und dickere Kleidung möchte man sich bei 35 Grad und knapp 92% Luftfeuchtigkeit auch nicht anziehen.

Wir bekommen als erstes mal ein leckeres Mittagessen zur Stärkung, bevor es dann zu Fuß in den Dschungel geht. Unser Guide Raúl ist hier geboren und aufgewachsen. Mitten im Dschungel, 2 Stunden Bootsfahrt zum nächsten Ort. Wie cool ist das denn?! Mit der Machete in der Hand geht er also voran. Wirklich Wege gibt es nicht, das Meiste muss er uns freischalten, es gibt maximal Trampelpfade.wir sind keine 10 Meter im Urwald und schon springen über uns die Affen von Baum zu Baum. Unglaublich. So richtig begreifen kann ich es nicht. Was mich aus meinen träumerein zurückholt? Diese gottverdammten Mücken die hier rum schwirren und zustechen so oft es nur geht. Wie schon in Südafrika bin ich total beeindruckt, was für ein Wahrnehmungsvermögen der Guide hat, wo er Tiere und Pflanzen entdeckt, die ich wohl selbst nach einer Stunde nicht gefunden hätte. So gabs dann ein paar Proteine, Ameisen und Termiten durften wir probieren. Es kostet einiges an Überwindung diese krabbelnden Insekten in den Mund zu schieben, aber im Endeffekt ist es dann doch halb so schlimm und eigentlich sind sie sogar ganz lecker!

4 Stunden ging unsere Wanderung durch den Amazonasurwald…da ich der Meinung bin, dass hier Bilder mehr als tausend Worte sagen:

Ja, der Baumstamm war unser Weg durch das etwas sumpfige Gelände.

Eine Riesenschnecke, soll hier wohl eine Spezialität sein, hätte ich gerne mal probiert!

Eine Kakao Pflanze, kannte ich bisher nur aus dem Schokomuseum…

Gesundes Lianenwasser, mmmmh lecker. Das ist übrigens Raúl, unser Guide.

Da staunt man nicht schlecht bei so einem Gigantenbaum!

Zurück an der Lodge geht es dann zum Sonnenuntergang gucken, was jetzt kommt, ist wohl der schönste Sonnenuntergang mit der schönsten Geräuschkulisse den ich je erlebt habe:

Nach dem Sonnenuntergang ging es dann erst einmal zum Abendessen, eine Stärkung war wirklich nötig. Schließlich gab es ja noch ein Abend/Nachtprogramm, eine Kanu Tour durch die Nacht. Auf der Suche nach Kaimanen, Schlangen, Kröten und was der Dschungel nachts noch so her gibt. Nach dem Essen ging es also ins Boot und ab ging die Fahrt. Mit den Stirnlampen leuchteten wir die Böschung ab, immer auf der Suche nach reflektierenden Augen. Leider haben wir keine Kaimane gefunden, dafür aber Schlangen, Frösche, Kröten und vieles mehr.

Ein mehr als gelungener erster Tag im Dschungel Perus. Gekrönt wurde dieser Abend dann noch von einem spektakulären Sternenhimmel. Da es hier kein Strom gibt gabs folglich auch kein Licht und so erstrahlte der Himmel in seiner ganzen Pracht!

Am nächsten morgen ging es dann ganz früh raus, wieder mit dem Boot. Es ging zum Vogel und Affen beobachten. Während mich persönlich die Vögel nicht so sehr interessierten, da sie eh immer nur schnell vorbeiflatterten, interessierten mich die Affen um so mehr. Und so machte ich mich dran ein gutes Foto zu machen, was von einem schwankenden Boot, aus einiger Entfernung, bei einem bewegenden Objekt, nicht so wirklich einfach ist. Spaß hat es trotzdem gemacht!

Keineswegs die Vögel, darunter Papageien und Adler, waren wunderschön, aber ich liebe Affen über alles und daher hatte das dann doch Priorität für mich! Nach der morgendlichen Bootstour ging es dann erstmal zurück zum frühstücken. Nach einem leckeren Frühstück stand dann mein ganz persönliches Highlight an: Piranha-Fischen! Aber bevor es dazu kommen sollte ging es erst nochmal raus auf den Amazonas, um graue und pinke Delfine zu beobachten. Delfine sind echt unglaublich schöne Tiere und in pink nochmal einiges schöner. Leider ist es unglaublich schwer sie zu finden geschweige denn zu fotografieren. Sie tauchen nur vereinzelt hier und da mal auf. Und so kann man glücklich sein, wenn man den Kopf schnell genug dreht um noch einen Blick auf das Tier zu erhaschen. Vom Amazonas aus ging es dann in einem kleinen Nebenfluss und von dort aus unter einigen Bäumen hindurch, bis wir mit dem Boot im Dickicht des Waldes waren. Hier wurden dann die einfachen Bambusangeln ausgepackt, Hühnchen drangehangen und los ging’s. Es ist tierisch schwer die Piranhas zu fangen. Man spürt sie zwar durchgehen am Köder knabbern, nur ist es dann schon zu spät. Die Köder werden in Sekunden aufgefressen. Im Endeffekt ist es mir dann in 2 Stunden aber 5 mal gelungen schnell genug zu ziehen.

Eine insgesamt sehr gelungene Tour, die ich nur empfehlen kann. Es hat tierisch (:D) viel Spaß gemacht und die zwei Tage waren viel zu kurz. Danke nochmal an die Airline, die mir einen Tag geklaut hat…naja da macht man nichts. Das einzige kleine Manko waren dann die knapp 200 Mückenstiche auf meinem rechten Schulterblatt die gejuckt haben wie Sau. Aber was soll’s, das gehört dazu und wer im Dschungel war und nicht gestochen wurde, der hat definitiv einiges falsch gemacht!

Der braune Teil ist der Amazonas….

Mit dem Schnellboot ging es im späten Nachmittag dann zurück nach Iquitos. Vom Hafen dann zum Flughafen. Ach ja, 2,5 Stunden Verspätung, und von dort aus über Lima zurück nach Santiago de Chile! Nach den 7 Wochen alleine reisen war ich dann auch echt froh mal wieder bekannte Gesichter zu sehen! Insgesamt war mein Peru Trip aber ein voller Erfolg! Ich könnte große Teile des Landes kennenlernen und ich muss sagen, dass ich mich in die peruanische Küche total verliebt habe!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: