Ausgeraubt in Cochabamba

Naja man hört ja immer viele Geschichten während des Reisens, aber mich hatte es glücklicher Weise bis zu diesem bewölkten Tag im Zentrum Boliviens noch nie erwischt. Ich wurde also tatsächlich das erste Mal ausgeraubt. Im Endeffekt muss ich sagen, dass ich froh war, dass Robin dabei war und ich nicht alleine war. Es war so schon schlimm genug.

Aber von vorne. Wir kommen also morgens früh mit dem Nachtbus aus Potosí in Cochabamba an. Wir geben unser Gepäck am Busbahnhof ab, denn wir wollen abends weiter in den Toro Toro Nationalpark. Also suchen wir das Minibus Unternehmen raus das nach Toro Toro fährt. Wir ziehen los und machen uns auf den Weg. Wir kommen über einen schönen Straßenmarkt, es ist viel los, der Markt erstreckt sich über ein ganzes Stadtviertel. Wir schlagen uns also durch die Menschenmassen und genießen die verschiedenen Düfte die von den Essenswagen und Obstständen ausgehen. (Im Nachhinein erfahren wir, dass wir uns da wohl im gefährlichsten Teil der Stadt aufhalten) Wir finden das Büro ohne größere Probleme, müssen aber noch auf den Besitzer warten. Kein Problem soweit, wir kaufen die Tickets und machen uns auf den Weg Richtung Cristo Statue, wir wollen ja noch was von der Stadt sehen!

Wir sind vielleicht 5 Minuten von dem Bus Office weg, da spricht mich ein etwas verloren wirkender peruanischer Tourist an und fragt mich nach dem Namen der Straße auf der wir uns befinden. Ich teile die Information natürlich und wir gehen weiter. Da hält neben uns ein Auto am Straßenrand mit einem extrem echt wirkenden Polizisten, er zeigt uns seine Marke und Ausweis etc. Wir müssen ihm unseren Ausweise zeigen, einfache Kontrolle ob wir legal ins Land eingereist sind. Soweit so gut. Naja dann besteht unser „Freund und Helfer“ darauf, dass wir mitkommen. Drogen Kontrolle. Der Peruaner, immer noch bei uns, steigt also ein und wir hinterher, da der gute Polizist ja noch unsere Pässe hat. Laut diesem gehts also zum nächsten Polizeirevier wo wir kontrolliert werden sollen. Als sich das Stadtbild aber immer mehr und mehr zum Randgebiet verändert und wir immer weiter raus aus den belebten Straßen in ein heruntergekommenes Viertel gefahren werden, wird uns beiden langsam klar, dass das wohl kein echter Polizist ist und wir ausgeraubt werden. Der Schweiß sammelt sich langsam im Nacken und läuft mir den Rücken runter. Ich habe tierisch Angst. Was soll man nur machen? Was wird er mit uns machen? Warten da wo wir hinfahren schon andere auf uns? Ich habe schon zu viele Geschichten während meiner Reisen gehört…

…wir halten also irgendwo in einer Seitenstraße einer Seitenstraße der eigentlichen Seitenstraße. Also was ich sagen will fernab jeglicher Menschen. Es gibt eine Taschen Kontrolle. Da wir nicht sehen können ob der Typ bewaffnet ist, geben wir unsere Taschen bereitwillig nach vorne. Unsere Taschen werden durchsucht und der Typ nimmt all unser Bargeld raus. Falschgeld Kontrolle so nennt der gute Mann das. Sowohl Robin als auch ich versuchen das Geschehen so gut wie möglich im Auge zu behalten und so glauben wir unseren Augen, als der Typ unser Geld zurück in unsere Taschen tut. Ich schwitze ohne Ende. Ich weiß nicht ob ich mich je so unwohl gefühlt habe, wie im diesem Moment. Der Typ gibt uns unsere Taschen zurück. Wir dürfen aussteigen. Der Peruaner muss mit zum „Polizeirevier“, er hatte angeblich Falschgeld dabei. Wir steigen aus. Ein erneuter Schauer läuft mir über den Rücken. Ich bin froh. Uns ist nichts passiert. Ich checke sofort meinen Rucksack. iPad, Kamera, Handy und GoPro, alles da! Mir fällt ein Stein vom Herzen! Ein Stein so groß wie der Tafelberg in Kapstadt. Dann hören ich Robin fluchen. Sein ganzes Bargeld ist weg. Ein paar Euro, ein paar chilenische Pesos und einiges an Bolivianos. Scheiße. Ich beginne sofort meine Bargeld Depots zu suchen. Alles weg. Nein das stimmt nicht ganz. So tue ich dem Arschloch Unrecht. Er hat mir 100 Bolivianos (12€) im Portemonnaie gelassen. Was ein Dieb mit Anstand…fluchend und niedergeschlagen und paranoid wie noch nie gehen wir erstmal zurück zum Busbahnhof wo unsere großen Rucksäcke sind. „So unsicher habe ich mich noch nie gefühlt“, höre ich von Robin. Ich kann ihn verstehen, ich fühle mich genauso. Wir müssen also zurück über den Markt. Wir gucken uns alle 3 Meter um. Der Schock sitzt noch immer tief. So langsam fangen wir an uns selber Vorwürfe zu machen. Zu viele offensichtliche Fehler die wir begangen haben. Es wir uns auch klar, dass der „Peruaner“ wohl auch gespielt war und die beiden Typen zusammen gearbeitet haben. Durch das einsteigen des Peruaners ins Auto ist unsere Hemmschwelle wohl deutlich gesunken.

Naja im Endeffekt hat mein Papa wohl damit recht, wenn er sagt, die machen das schon ewig. Das war perfekt eingespielt und durchgeführt. Wir hatten wohl keine Chance. Wir sind jetzt im Nachhinein einfach froh, dass uns nichts passiert ist und „nur“ das Bargeld weggekommen ist.

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